Klettertour Grimsel - Mittagflue

Für mich ist das Klettern in einer Wand immer noch ein Gespenst das mich überfällt. Nach meinem Absturz vor zwei Jahren muss ich mich immer noch überwinden. Dennoch, es ist etwas, das mich fasziniert und dem ich mich ab und zu stellen will.

Klettern ist für mich auch eine sportliche Herausforderung. Hier kann ich meine Grenzen spüren und teilweise auch überwinden.

 

So, ich meldete mich also an für eine Klettertour die Chrigu Stettler in unserer Sektion ausgeschrieben hatte. Zu fünft machten wir uns auf den Weg ins Haslital. Nach einem Kaffee im "Tourist" näherten wir uns bald der Wand. Die Mittagflue steht wie ein riesiger Klotz nicht weit der Strasse. Verfolge ich den Wandverlauf, so merkte ich schnell, dass die Wand immer steiler wird. Puhh, werde ich heute da oben stehen?

 

Unterwegs in der Botanik finde ich Heidelbeeren und Himbeeren. Sie lenken ab von der bevorstehenden Prüfung. Ich könnte ja Beeren pflücken bis die Gruppe wieder unten ist...... - nein! Das will ich jetzt wissen!

 

Der Einstieg sieht kurzweilig aus mit Rissen und kleinen Bändchen. Res fragt mich, ob ich vorsteigen will. Ja gerne- ich höre meine Stimme und staune, dass es meine ist. Chrigu ist schon voraus mit den beiden Frauen. Ich folge also den Bohrhaken und finde immer Trittchen und Griffe. Geht ganz ordentlich. Stand. Res kommt nach und ich komme kaum nach mit sichern. Er überschlägt gleich und klettert weiter. Nach dem nächsten Stand überschlage ich und klettere die dritte Seillänge. Nun ist es merklich schwieriger und ich komme langsam an meine Grenzen. Ruhig suche ich mir die kleinen Möglichkeiten. Mehr und mehr vertraue ich den Schuhen die am Granit kleben. Beinarbeit, ich muss es mir immer wieder sagen. Der nächste Bohrhaken ist noch ein paar Griffe entfernt und ich bin am Limit. Die Knie zittern, ich muss weiter. Hier war ich an der Sturzgrenze. Doch ich erreiche das rettende Plättchen. Nun klettert Res die restlichen Seillängen vor, ich bin froh. Ab hier bewegen wir uns im Bereich 5b und das ist mir als Vorsteiger einen Buchstaben zu schwierig.

Mittagflue - das ist weit bekannt in der Kletterszene und in der Wand ist inzwischen was los. Obwohl so breit und hoch schaffen es zwei Kletterer aus einem grossen, nördlichen Land kreuz und quer in die Routen zu klettern. Sie reden laut und genieren sich nicht, gleichzeitig in unserer Route zu klettern. Selbstverständlich hängen sie in den gleichen Bohrhaken auch noch ihren Express ein. Es wird eng am Stand wo sonst schon kein Platz ist. - Nun gut, wir behalten die Nerven und den Mund und irgendwann verleidet es ihnen und sie seilen ab.

 

Die siebte und achte Seillänge sind am schwierigsten und ich kämpfe um jeden Meter. Doch es gelingt mir diese glatten Stellen zu überwinden. Chrigu ist mit den Frauen schon oben und ich freue mich bald mit ihnen an der Sonne zu sitzen. Die Stimmen kommen näher und dann kann ich über die Kante schauen. Geschafft!

 

So langsam erholen sich die Zehen und der Adrenalinspiegel sinkt auf einen tieferen Pegel. Ein tolles Gefühl die acht Seillängen erfolgreich geklettert zu haben. Besonders Marianne darf sich gratulieren lassen. Nach unzähligen Hallen Trainings hat sie heute ihre Felspremiere glänzend bestanden. Sie ist entsprechend begeistert von diesem Tag.

 

Der Abstieg von der Mittagflue ist ziemlich anspruchsvoll. Nach einem Verhauer in die Botanik und steilen Wänden kommen wir wieder auf den rechten Weg und steigen vorsichtig ab. Ist es nun T5 oder mehr? Ich weiss es nicht, aber sicher nicht weniger. Zum Schluss seilen wir vier Mal ab und das ist immer eine schöne Sache so schnell senkrechte Wände hinunter zu gleiten.

Glücklich erreichen wir unser Materialdepot und wenig später das Auto.  - Es war ein langer und interessanter Tag. Es hat jedem Spass gemacht. In jedem Gesicht war die Freude und der Stolz abzulesen. Stolz sein darf auch Chrigu. Er hat uns durch die Wand geführt und durch seine ruhige und fröhliche Art den Ausflug geprägt.